27.03.2003

Wiedersehen auf dem „Trockenen“

Fast genau ein Jahr nach der Jahrhundertflut in den neuen Bundesländern kam jetzt das Landwirtehepaar Annett und Reinhard Hoffmann aus dem Landkreis Riesa-Großenhain in das münsterländische Raesfeld.

Bei der Spendenaktion für die Flutopfer, die vor einem Jahr von der Frauen-Union Raesfeld-Erle durchgeführt wurde, überbrachten Maria und Diana Brömmel anschließend das gesammelte Geld persönlich an betroffene Familien. Man überzeugte sich vor Ort von den Schäden, die die Familien erlitten hatten.

Bei diesen Begegnungen wurden auch Einladungen für die Familien und ihre Kinder nach Raesfeld ausgesprochen. Das Ehepaar Hoffmann nahm dieses Angebot nun wahr und die Kinder Robert und Werner (11 und 9 Jahre) verleben 14 Tage Ferien auf einem Raesfelder Bauernhof. Berührungsängste gab es überhaupt nicht, die Kinder fühlten sich vom ersten Moment an gut aufgehoben und wie zu Hause.

Bei einer Rundfahrt durch die Gemeinde Raesfeld und den Ortsteil Erle zeigte sich der sächsische Landwirt beeindruckt: Im Süden der neuen Bundesländer herrscht seit mehreren Monaten eine lange Trockenheit. „Wir wären froh, wenn der Mais bei uns nur annähernd so gut aussehen würde“, äußerte Reinhard Hoffmann, „nach dem letzten Jahr der großen Flut, in dem auch schon unsere Ernte vernichtet wurde, werden wir in diesem Jahr die Schäden durch die anhaltende Trockenheit haben.“

Für viele Bauern und andere Unternehmer wurde das vergangene Jahr zu einer harten Bewährungsprobe, die auch viele nicht durchgestanden haben.

„Wenn wir nur an unsere Flutschäden denken,“ so erzählt Annett Hoffmann, „ wir wohnen zwar wieder in unserem Haus, aber es ist leider noch immer nicht alles getrocknet und wir können augenblicklich nicht renovieren. Wir lassen uns aber nicht unterkriegen!“ Annett Hoffmann ist voller Zuversicht, dass sie diese Situation auch noch meistern werden.

Sie freut sich, dass es Menschen gegeben hat, von denen man vorher nichts wusste und die sich spontan zu Hilfeleistungen entschlossen hatten. „Wir können uns derzeit keinen Urlaub leisten, aber für unsere Kinder ist es deshalb umso schöner, wenn sie hier Ferien machen können.“ Das Ehepaar Hoffmann konnte auch nur einen Tag in Raesfeld bleiben, musste dann zurück, um sich wieder um Haus und Hof zu kümmern.

Ende der nächsten Woche holen sie die Kinder wieder ab und es wird bestimmt nicht das letzte Wiedersehen sein: Diana und Maria Brömmel von der FU Raesfeld-Erle wollen Ende des Jahres in das Gebiet um Riesa fahren und sehen, inwieweit sich das Leben ein Jahr nach der Flut wieder normalisiert hat.

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