13.06.2019

Und plötzlich stellst du fest, Heimat ist nicht mehr nur der Ort, wo du aufgewachsen bist.

Erfahrungsbericht des aktuellen PPPlers Hendrik Kuhnert

Der Vredener Hendrik Kuhnert verweilt seit knapp einem Jahr in den Vereinigten Staaten von Amerika. Im Rahmen des Parlamentarischen Patenschafts Programms wurde er von Johannes Röring ausgewählt. Im Folgenden berichtet er von seiner Zeit.

Wenn ich heute auf die letzten Monate zurückblicke, mischen sich viele Gefühle zusammen: Abenteuerlust, Freude, Angst, Neugierde, Einsamkeit. Nicht nur einmal bin ich an meine Grenzen gekommen, habe alles angezweifelt. Warum mache ich das nochmal? Zum Glück erlebt man genauso oft Momente, die einem wieder daran erinnern. Nach einem Jahr Amerika bin ich am Ende Dankbar für jede Erfahrung, ob Gut oder Schlecht. Denn mit jeder Herausforderung übersteigt man seine Grenzen und entdeckt, wie schön die Welt dahinter ist.
 
Besonders in den ersten beiden Monaten fiel es mir schwer Fuß zu fassen. Das College war überhaupt nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Anschluss zu finden war schwer. Ein Problem war auch, dass die USA viel größer ist als Deutschland. Ohne Auto geht hier nichts. Und dann sitzt man schnell mal eine Stunde, um irgendwo anzukommen. Mit der Zeit fielen mir aber auch die Vorteile auf. Die atemberaubende Natur, das Gefühl der Freiheit auf den endlos scheinenden Straßen, wenn der Fahrtwind um die Ohren bläst und ACDC in den Ohren dröhnt. Die Offenheit der Amerikaner. Von Freunden aus Deutschland wurde ich oft gefragt: Gibt es dort wirklich so viel Fast Food? Ja, gibt es. Nach einem Jahr würde ich sagen, habe ich mehr Burger gegessen als in meinem Leben zu vor. Lebensmittelpreise sind in den normalen Supermärkten sehr teuer. Da ist es manchmal günstiger, einfacher zum Fast Food Restaurant zu gehen. Zum Glück haben es aber auch die Supermarktketten Aldi und Lidl an die Ostküste geschafft. Neben einigen Deutschen Produkten fühlt es sich an wie ein Stück Heimat. Nur die Lebensmittel an der Kasse werden auch hier vom Kassierer zurück in den Wagen gepackt. Für die Plastiktüte muss man auch hier 0.10 Cent bezahlen. Eine Vorreiterrolle im sonst eher Plastik-verschwenderischen Amerika. 
 
Und ehe ich noch weiter darüber nachgedacht hatte, fühlte ich mich plötzlich angekommen. Ich habe Anschluss gefunden, seit der Praktikumsphase hat man wieder einen geregelten Alltag. Jetzt stehen schon die letzten Tage an und ich fühle mich, als wenn die Zeit nur so rennt. Gerade habe ich mir ein Leben aufgebaut und dann heißt es schon, Abschied nehmen. Bis zum nächsten Mal.
 

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